Was Sport mit Löffeln zu tun hat
- Meike Parker
- 8. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Jajaja... jeder weiß, dass es wichtig ist, sich genügend zu bewegen. Wir alle wissen das. Warum also ein Blogbeitrag dazu? Weil es genauso wichtig ist anzuerkennen, dass Sport „Initial-Energie“ braucht. Und die haben wir eben nicht immer.
Wenn der Körper nicht mitmacht:
In meinem Blog "Mein Weg - und warum ich heute ADHS-Coach bin" beschreibe ich, dass ich lange und immer wieder mit Depressionen zu kämpfen hatte. Dazu kommt Hashimoto... mit anderen Worten: Energie war Mangelware – und ich wurde immer mehr. Heute weiß ich, dass meine Schokoladen- und Gummibärchen-Sucht mein Weg war, mich selbst zu „medikamentieren“. Ich hatte ständig das Gefühl, Energie nachschieben zu müssen – als könnte ich ohne Zucker und Koffein überhaupt nicht funktionieren. Und durch das Hashimoto bleiben die überschüssigen Kalorien auch noch besonders gern an mir hängen. Und alle sagten mir: „Mach mehr Sport.“
Mein Arzt (nach einem sehr vorsichtigen „Sie sind übergewichtig“, das ich mit einem „Nein, was Sie nicht sagen“ quittiert habe).
Mein Therapeut: „Sport hilft bei Depressionen. Gehen Sie mehr raus...“ (Augenrollen).
Meine Kollegin, die mir einen wirklich gut gemeinten TV-Beitrag über Hashimoto schickte, in dem der Arzt der Patientin sagte: „Sie müsse eben ihren inneren Schweinehund überwinden.“
Vor allem dieser Spruch hat mich wütend gemacht. Wenn es doch nur mit Willenskraft getan wäre...
Mein Alltag sah zu der Zeit etwa so aus:
06:00 Uhr: Aufstehen
07:00–08:00 Uhr: Spaziergang im Park
08:00–17:00 Uhr (oder länger): Arbeiten
ab 17:00 Uhr: im Zombie-Status auf dem Sofa sitzen und auf die Schlafenszeit warten
Die Sache mit den Löffeln
Hätte mir Sport geholfen? Sicher. Aber wenn keine Energie mehr da ist, um diesen „inneren Schweinehund“ zu überwinden, dann passiert eben auch nichts.
Vielleicht ist es ganz sinnvoll, hier die Sache mit den „Löffeln“ zu erklären – für alle, die das noch nicht kennen:Stellt Euch vor, Ihr habt morgens eine bestimmte Menge an Löffeln zur Verfügung. Jede Entscheidung, jede Aktivität kostet Euch – je nach Aufwand – mindestens einen Löffel. Wenn Ihr z. B. schlecht geschlafen habt (bei ADHS keine Seltenheit) und die Löffel aufgebraucht sind, der Tag aber noch lange nicht vorbei ist – tja, dann „borgt“ man sich eben Löffel von morgen. Ihr seht schon: ein fataler Kreislauf.
Nachdem ich gekündigt hatte, habe ich ein halbes Jahr gebraucht, um überhaupt wieder genug Energie zu haben, um an Sport denken zu können.
Also: Wenn Ihr keine Energie habt, um Sport zu machen – seid ein wenig nachsichtiger mit Euch.
Ja, Sport ist wichtig, gerade bei ADHS. Durch Bewegung wird der Körper angeregt, die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin zu bilden – und von beiden haben wir bekanntlich nicht immer genug. Das wiederum hilft uns, unsere „ADHS-Traits“ besser zu managen.
Mein Trick Sport wieder in meinen Alltag zu integrieren:
Und so habe ich es geschafft, Sport wieder in meinen Alltag zu integrieren:
a) Ich weiß: Wenn ich es nicht gleich morgens mache, mache ich es gar nicht.
b) Ich habe die Routine meines Mannes genutzt, um meine neue Routine „anzudocken“. Er steht jeden Morgen zur gleichen Zeit auf und verlässt das Haus. Also gehe ich mit ihm – er zur Arbeit, ich ins Fitnessstudio. Das beinhaltet gleich eine weitere Strategie, die uns ADHSler*innen besonders hilft: Body-Doubling. Dadurch, dass er das Haus verlässt, erhöht sich mein Druck, mitzugehen.
c) Und zuletzt: Ich habe mir Mini-Ziele gesetzt. Ich will nicht abnehmen, ich will nicht meine Kondition verbessern – mein einziges Ziel ist es, es überhaupt ins Studio zu schaffen. Sobald ich einen Fuß hineingesetzt habe, ist das Ziel erreicht. Und genau dieses erreichte Ziel gibt mir dann das nötige Dopamin, um mich tatsächlich auf den Crosstrainer zu stellen.
Wenn auch Du wieder mehr Sport in Deinen Alltag integrieren möchtest, aber noch keine Idee hast, wie das am besten für Dich funktioniert – vereinbare ein Erstgespräch mit mir. Gemeinsam finden wir eine Lösung, die zu Dir passt.




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