Zwischen den Jahren: Warum ich dich einlade, keine guten Vorsätze zu machen
- Meike Parker
- 29. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Diese seltsame Zeit nach Weihnachten

Weihnachten ist vorbei – und wir sind mitten in dieser eigenartigen, zeitlosen Phase zwischen den Jahren. Für viele von uns bedeutet das: Urlaub, wenig Termine, keine klare Struktur. Die Tage verschwimmen, man weiß manchmal nicht mehr genau, welcher Wochentag eigentlich ist. Gleichzeitig steckt uns der Trubel der Feiertage noch in den Knochen – Familienbesuche, Erwartungen, Gespräche, Reize.
Und dann ist da plötzlich: Stille.
Diese Stille auszuhalten, ist gar nicht so einfach. Vor allem für neurodivergente Menschen. Der Input fehlt, das Außen wird leiser – und unser Kopf fängt an, umso lauter zu werden.
Wenn der Kopf sofort neue Pläne schmiedet
Was machen wir oft, wenn es still wird?Wir beginnen zu planen. Wir nehmen uns Dinge fürs neue Jahr vor. Gute Vorsätze. Neue Routinen. Ein „ab jetzt wird alles anders“.
Und genau hier möchte ich heute eine Einladung aussprechen:
Mach dir keine guten Vorsätze.
Nicht, weil Veränderung schlecht wäre – sondern weil gute Vorsätze uns oft genau dahin führen, wo wir nicht hinwollen.
Warum gute Vorsätze selten funktionieren

Gute Vorsätze sind häufig:
zu unklar
zu groß
zu wenig an unserem echten Alltag orientiert
Wir haben eine diffuse Vision, fangen motiviert an – und verlieren irgendwann den Faden. Ein Blick in die Fitnessstudios reicht als Beweis: nie voller als zu Jahresbeginn. Und wenige Wochen später… wird es wieder leer.
Das Problem ist nicht mangelnde Disziplin.Das Problem ist das Setup.
Viele Vorsätze sind so gebaut, dass sie uns früher oder später scheitern lassen. Und am Ende bleibt dieses fade Gefühl zurück: Schon wieder nicht durchgezogen.
Statt Vorsätzen: Erstmal ehrlich hinschauen
Meine Einladung ist eine andere:
Stell dir lieber diese Fragen:
Wo stehe ich gerade in meinem Leben?
Was gefällt mir an meinem Leben?
Was würde ich auf keinen Fall ändern wollen?
Und: Womit bin ich unzufrieden?
Diese Fragen sind leiser. Aber sie sind ehrlicher. Und sie sind eine viel bessere Grundlage für echte, nachhaltige Veränderung.
Von vagen Wünschen zu konkreten Zielen

Ein Beispiel:„Ich möchte im neuen Jahr mehr Sport machen.“
Das klingt gut – ist aber extrem unbestimmt. Ja, selbst ein Spaziergang mehr wäre „mehr Sport“. Und trotzdem bleibt oft das Gefühl, nicht wirklich das erreicht zu haben, was man sich erhofft hat.
Hilfreicher ist es, Ziele so konkret wie möglich zu formulieren.
Hier hilft die bekannte SMART-Methode:
Spezifisch
Messbar
Aktionsorientiert
Realistisch
Terminiert
Und gerade das R wie realistisch ist entscheidend.
Realistisch sein heißt: den eigenen Körper und Alltag mitdenken
Wenn ich mir zum Beispiel vornehme, innerhalb eines Jahres mein Idealgewicht zu erreichen, muss ich ehrlich sein: Mit fast 50, einem stressigen Alltag und Essen als Coping-Strategie ist das wahrscheinlich kein realistisches Ziel.
Nicht, weil Veränderung unmöglich ist – sondern weil es andere Baustellen gibt, die zuerst Aufmerksamkeit brauchen.
Realistisch sein heißt:
meine Energie mitzudenken
meine Gewohnheiten zu kennen
meine schlechten Tage einzuplanen
Kleine Schritte statt großer Versprechen
Statt „mehr Sport“ könnte ein Ziel so aussehen:
Im Januar nehme ich bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln mindestens einmal am Tag die Treppe statt der Rolltreppe.
Das ist konkret. Es ist messbar. Und es ist machbar.
Und ja – gerade hier in Stuttgart sind manche U-Bahn-Treppen wirklich lang.Wenn man auf halber Strecke völlig außer Atem steht und die Werbeplakate genauer studiert als geplant, ist das eher demotivierend als hilfreich.
Auch das gehört zur Realität.
Ziele dürfen Rücksicht nehmen
Gute Ziele berücksichtigen:
unsere Tagesform
Erschöpfung
Muskelkater
Aufschieben
schlechte Tage
Wenn wir uns überfordern und danach völlig ausgeknockt sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit drastisch, dass wir es wiederholen.
Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Druck, sondern durch Machbarkeit.
Auch ich sitze gerade an meiner Jahresplanung
Ich schreibe das nicht aus der Theorie heraus.Ich sitze selbst gerade an meiner Jahresplanung – und versuche, zwei große Dinge miteinander zu verbinden:
Mein eigenes Coaching-Business weiter auszubauen, zu schärfen und perspektivisch zu wachsen
Ein großes, gefördertes Marktforschungsprojekt, das mein Kooperationspartner und ich zugesprochen bekommen haben
Im Rahmen des IGP-Programms dürfen wir untersuchen, wie neurodivergente Menschen besser im Arbeitsmarkt unterstützt werden können – und was ihnen nach einer Diagnose eigentlich fehlt: Orientierung, Informationen, echte Anschlussmöglichkeiten.
Das ist groß. Und wichtig. Und genau deshalb muss ich auch hier: realistisch planen.
Vielleicht stehst du gerade an einem ähnlichen Punkt
Vielleicht bist du gerade auch an so einem Übergang:
zwischen alt und neu
zwischen Erschöpfung und Aufbruch
zwischen Ideen und Realität
Dann nimm diese Zeit nicht für neue Vorsätze. Nimm sie fürs Reflektieren. Für ehrliche Bestandsaufnahme.Für kleine, machbare Schritte.
Und vor allem: Sei gut zu dir.
Ich wünsche dir einen guten Start ins neue Jahr.




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