Zwischen Begeisterung und Erschöpfung – meine Woche mit ADHS und Energiemanagement
- Meike Parker
- 29. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Ich weiß, ich rede schon wieder über Energie, Löffel und das liebe Energiemanagement bei ADHS. Aber das ist einfach ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt – und das ich bei ganz vielen anderen auch sehe.
Manchmal helfen selbst die besten Strategien nichts. Manchmal passiert einfach zu viel auf einmal, und Prioritäten zu setzen ist fast unmöglich, weil vieles gleich wichtig ist.
Letzte Woche war genau so eine Woche: voll, laut, bunt, schön – und viel zu viel.Heute sitze ich hier, der Tinnitus rauscht, mir wird nicht warm, weil ich alle Energie verbraucht habe. Und ich bin ehrlich gesagt einfach froh, dass ich es überhaupt aus dem Bett geschafft habe.
Planung, Prioritäten und das kleine Dilemma
Eigentlich war alles ganz harmlos geplant: Mittwoch Anreise, Donnerstag und Freitag auf die Spielemesse in Essen, Samstag entspannt zurück.Ein schöner kleiner Familienausflug – überschaubar, machbar, etwas, auf das ich mich wirklich gefreut hatte.
Doch dann kam das Leben dazwischen.
Kurz vor der Messe kamen gleich zwei neue Dinge dazu: die ADHS-Tage in Hambrücken am Wochenende und – kurz darauf – ein wichtiger Termin mit einem Forschungsinstitut, bei dem mein Kooperationspartner nur am Dienstag Zeit hatte.
Und plötzlich stand ich vor dem typischen ADHS-Dilemma:Wie kriege ich das alles unter einen Hut, ohne mich völlig zu verausgaben?
Ich saß also da mit meinem Kalender und überlegte: Was ist wirklich wichtig? Was kann ich schieben? Was ist einmalig und nicht verschiebbar?
Die Messe war lange geplant, Tickets und Unterkunft gebucht, und wir waren seit Jahren nicht mehr dort – also: bleiben im Plan. Die ADHS-Tage? Fachlich superrelevant, viele spannende Vorträge, und ehrlich gesagt wollte ich unbedingt hin. Das Treffen mit dem Forschungsinstitut? Eine seltene Chance, etwas wirklich Großes für neurodivergente Menschen zu bewegen – das konnte ich nicht absagen.
Also suchte ich nach einem Kompromiss: Ich würde am Freitagnachmittag mit dem Zug zurückfahren, um Samstag und Sonntag bei den ADHS-Tagen zu sein.Und dann am Dienstag – nach einem Montag voller „Regeneration“ (so der Plan) – zum Termin mit dem Forschungsinstitut nach Dortmund.
Klang in der Theorie vernünftig.Spoiler: war es nicht.
Auf zur Spielemesse – mit voller Begeisterung
Mittwoch ging’s los: Mein Mann, sein Sohn und dessen bester Freund – also die drei Jungs – und ich machten uns auf den Weg nach Essen zur SPIEL Messe. Vier Stunden Autofahrt, eine kleine Ferienwohnung in Bottrop, ein herzlicher Empfang – alles prima.
Ich war voller Vorfreude. Endlich wieder Messe, Spiele ausprobieren, Menschen treffen, Inspiration tanken!
Am Donnerstag dann der große Tag: Ich bin ein echter Spiele-Nerd – wir spielen als Familie alles, von kleinen Strategiespielen bis zu albernen Sachen wie "Beetle", bei dem man Käferteile zusammenwürfelt.
Und die Messe war großartig! So viele Eindrücke, neue Spiele, liebevolle Designs, nette Gespräche – und ich war im Heldenmacher-T-Shirt unterwegs.Ich kam mit vielen Menschen ins Gespräch, konnte ein bisschen über ADHS aufklären, Flyer verteilen, Ideen austauschen. Es war richtig schön – und gleichzeitig unfassbar anstrengend.
Laut, voll, viele Menschen, ständige Reizüberflutung. Ich musste mich an andere Schrittgeschwindigkeiten anpassen, wenn ich von A nach B wollte – und das zehrt. Ein kleiner Trost: Auch die beiden Youngsters waren am Ende des Tages völlig fertig. Immerhin weiß ich jetzt, es liegt nicht (nur) daran, dass ich älter werde. 😉
Freitag: Begeisterung trifft Realität
Wir hatten uns vorgenommen, am ersten Tag nur zu schauen und nichts zu kaufen – eine gute Entscheidung. So konnten wir alles in Ruhe wirken lassen, überlegen, was uns wirklich interessiert, und am Freitag gezielt zurückkommen.
Und ja – wir haben uns natürlich nicht an unsere Einkaufsplanung gehalten. Statt der Spiele, die wir uns am Vortag ausgesucht hatten, haben wir uns spontan für ein neues, aufwendiges Spiel entschieden: Aberration.
Eine Mischung aus Rollenspiel und Brettspiel, in dem man sein Dorf gegen Monster verteidigt – mit Charakterklassen, Rassen, Ausrüstung, Teamarbeit.Genau mein Ding. Liebevoll gestaltet, hochwertig gemacht.Wir konnten es dort zwar nicht anspielen, aber es hat uns sofort gepackt.
Trotzdem: Ich merkte schon mittags, dass mein Akku leer wurde.Mein Tinnitus meldete sich, mein Körper schaltete auf „Notstrom“. Und da wusste ich: Jetzt ist Schluss.Also ab in den Zug nach Hause – und erstmal durchatmen.
Die ADHS-Tage – und das Realitätsprinzip
Samstag hätte eigentlich mein Weiterbildungstag werden sollen.Aber als ich Freitagabend ins Bett fiel, war klar: Das wird hart.
Der Plan war, früh loszufahren, den ganzen Tag Vorträge, Gespräche, Input – und abends wieder heim.Ich hab einfach gemerkt: Das schaffe ich nicht in voller Länge. Punkt.
Also habe ich mich entschieden, den Samstag zu streichen und stattdessen nur am Sonntag hinzugehen – halb Tag, halber Mensch, aber immerhin dabei.Und das war gut so.
Ich habe zwei spannende Vorträge gehört – einen über das Gehirn bei ADHS (dazu schreibe ich noch einen eigenen Blog) und einen über Unterschiede zwischen ADHS bei Männern und Frauen. Es gibt da durchaus Unterschiede, was daran biologisch und was sozialisiert, müsste genauer Untersucht werden. Ich habe da eine starke Vermutung, aber das ist ein Thema für ein andermal.
Auch hier wieder: viele Eindrücke, viele Gespräche, viele Menschen – und entsprechend viele verbrauchte Löffel.
Der große Dienstag
Kaum war der Sonntag vorbei und am Montag gefühlt kaum durchgeatmet, stand der nächste große Termin an: Das Treffen mit dem Forschungsinstitut, mit dem wir gemeinsam ein Projekt eingereicht haben, das strukturell etwas für Neurodivergente verändern und verbessern soll.
Wir sind früh los – Zug nach Dortmund, ein intensiver Nachmittag voller Austausch, Ideen, Brainstorming. Es war toll, inspirierend, und ich bin unglaublich dankbar, Teil davon zu sein. Aber es war auch einfach lang.
Der Rückzug hatte eine Stunde Verspätung, und um halb zwölf war ich endlich zu Hause.
Müde, aber dankbar
Und jetzt sitze ich hier. Leer. Und denke: Warum eigentlich? Aber manchmal ist das eben so. Manchmal häufen sich Dinge, die alle wichtig sind. Manchmal muss man einfach durch – und dann mit den Konsequenzen leben.

Außer, du bist erschöpft oder pleite –
dann sei einfach ein gemütlicher Alltagsheld und leg dich kurz hin.
Ich teile das, weil ich finde: Es ist wichtig, ehrlich zu sein.Nur weil ich Coach bin, heißt das nicht, dass ich alles im Griff habe oder immer perfekt mit meiner Energie umgehe.Auch ich gehe über meine Grenzen, obwohl ich es besser weiß.
Aber ich lerne jedes Mal dazu.Und ich erinnere mich daran, dass es okay ist, nicht alles zu schaffen. Dass Pausen kein Luxus sind.Und dass es völlig in Ordnung ist, mal zu sagen: Heute nicht.
Wie geht euch das? Wie plant ihr Pausen ein, wenn sich wichtige Dinge dicht an dicht drängen? Vielleicht wird das ja Thema für den nächsten Blog.
In diesem Sinne: Passt auf eure Löffel auf – wir lesen uns nächsten Montag. ☕




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