Wohin eigentlich? Warum Ziele sich verändern dürfen
- Meike Parker
- 12. Jan.
- 4 Min. Lesezeit

Der Januar steht hier ganz bewusst unter dem Motto Neuanfang. Wobei es mir gar nicht so sehr um das „alles neu“ geht, sondern um etwas viel Wichtigeres: sich bewusst zu positionieren.Nicht blind loszurennen, sondern innezuhalten und zu entscheiden, wie und wo wir stehen wollen.
Letzte Woche haben wir uns deshalb intensiv mit der Frage beschäftigt:Wo stehe ich eigentlich gerade?Warum eine ehrliche Standortbestimmung so wichtig ist und warum Ziele ohne sie vor allem eins erzeugen: Stress.
Heute gehen wir einen Schritt weiter.
Wohin wollen wir – und warum sich das ändern darf
Ziele wirken oft so endgültig. Einmal festgelegt, fühlen sie sich an wie ein Vertrag, den man nicht mehr kündigen darf. Dabei ist genau das Gegenteil gesund.
Denn:Das, was sich heute richtig anfühlt, kann morgen schon nicht mehr passen.Nicht, weil wir „inkonsequent“ sind – sondern weil wir leben.
Ich kenne diesen inneren Konflikt sehr gut aus meinem früheren Job. Jedes Jahr gab es Jahresziele. Und dann haben wir mit aller Kraft versucht, diese Ziele zu erreichen – selbst dann, wenn spätestens im April oder Mai klar war: Das ergibt strategisch überhaupt keinen Sinn mehr.
Aber an diesen Zielen hing Geld. Also wurde optimiert, nicht hinterfragt. Erreicht, nicht neu ausgerichtet.
Genau deshalb haben wir damals das Performance Management verändert. Weg von starren Jahreszielen, hin zu regelmäßigen Check-ins und der expliziten Erlaubnis, Ziele anzupassen. Weil gute Arbeit eben nicht darin besteht, einen einmal gefassten Plan blind durchzuziehen – sondern darin, auf Veränderungen zu reagieren.
Und ja: Das gilt im Privaten ganz genauso.
Vom Wunsch zum realistischen Ziel
Ich habe im Dezember das Beispiel „Idealgewicht“ genannt. Ein Klassiker. Und ehrlich

gesagt: ziemlich untauglich als Ziel.
Was ich stattdessen beeinflussen kann, ist etwas anderes:
meine Ernährung grundsätzlich anschauen
meine Coping-Mechanismen reflektieren
meinen Zuckerkonsum reduzieren
Ich gehöre nämlich ganz klassisch zu der Fraktion: Stress = Zucker = schnelles Dopamin.
Keine Medikamente? Dann eben Süßigkeiten.
Mir ist das bewusst, und genau deshalb bin ich ein großer Fan meiner ADHS-Medikation, weil sie diesen extremen Zuckerdruck deutlich dämpft. Aber sie löst eben nicht alles. Ich habe zusätzlich Hashimoto, eine chronische Erkrankung, die meine Batterien schneller leert – auch wenn die Werte gut eingestellt sind und ich regelmäßig zur Vorsorge gehe.
Das ist kein Drama, aber es ist Realität. Und genau diese Realität muss in meine Zielsetzung rein.
Also:Was geht wirklich?
Medikamente regelmäßig nehmen
bewusst essen
Bewegung in meinen Alltag bringen
Nicht perfekt. Aber machbar.
Kleine Schritte schlagen große Vorsätze
Ende Dezember waren mein Mann und ich im „Disgusting Food Museum“ hier in Stuttgart. Wir sind rausgegangen, haben uns angeschaut und dachten beide:Was wir Menschen Tieren antun, ist wirklich schwer auszuhalten.
Also haben wir uns entschieden: Vegetarischer Januar.Kein Fleisch kaufen, kein Fleisch essen.
Vegan wäre für uns beide zu viel gewesen. Käse lieben wir einfach zu sehr, mein Mann trinkt morgens Milch im Kaffee, ich bin längst bei Hafermilch. Ein kompletter Bruch hätte uns ziemlich sicher nach ein, zwei Wochen scheitern lassen.
Und genau darum geht es: realistische Ziele setzen.
Dasselbe beim Thema Sport. Ich hätte mir gern vorgenommen, wieder drei Mal die Woche morgens ins Fitnessstudio zu gehen. Dummerweise habe ich gerade eine Schulterentzündung. Also nope.
Stattdessen:Jeden Tag 10.000 Schritte.Bewegung im Alltag, aktiv bleiben, Grundumsatz erhöhen. Punkt.
Warum realistische Ziele so viel Selbstmitgefühl brauchen
Hätten wir uns zu große Ziele gesetzt, wäre das Scheitern programmiert gewesen. Und selbst wenn man sich dann rational erklären kann, warum es nicht geklappt hat – emotional bleibt oft trotzdem dieses leise „Eigentlich wollte ich doch…“.
Und genau deshalb ist es so wichtig, gut zu sich selbst zu sein.
SMART ist kein Buzzword – wenn man es richtig nutzt
Im Dezember habe ich euch schon das SMART-Modell vorgestellt. Und ja, es ist abgedroschen. Aber es ist aus gutem Grund so verbreitet.
S – spezifisch: Je klarer das Ziel, desto klarer das Zielbild
M – messbar: Ohne Messbarkeit keine Orientierung
T – terminiert: Bis wann? In welchem Tempo?

Letzte Woche habe ich so darauf herumgehackt, wie wichtig die Standortbestimmung ist – genau deshalb. Nur dann kannst du überhaupt messen, ob du dich bewegst.
Statt „Ich will abnehmen“ wäre ein messbares Ziel zum Beispiel:„Ich möchte bis Ende Januar 1,5 kg abnehmen.“
Was im SMART-Modell oft vergessen wird, ist das A – actionable.Im Coaching sagen wir: Ziele sollten nicht nur „weg von“, sondern vor allem „hin zu“ formuliert sein.
Also nicht:
„Ich will weniger Zucker essen“
Sondern:
„Ich möchte insgesamt bewusster und nährender essen.“
Das verändert die innere Haltung komplett.
Ein nachhaltiger Start braucht Struktur
Wenn wir diese Januar-Reihe zusammenfassen, dann geht es genau darum:
eine ehrliche Standortbestimmung
ein klares, veränderbares Zielbild
messbare, realistische Ziele
kleine Schritte statt heroischer Vorsätze
Nächste Woche schauen wir uns dann an:Was ist eigentlich ein sinnvoller erster Schritt – und warum der oft kleiner sein darf, als wir denken?
Bis dahin: Hab eine gute Woche. Und sei freundlich zu dir.




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