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Und dann war da noch die Sache mit der Geduld...

  • Autorenbild: Meike Parker
    Meike Parker
  • 7. Okt. 2025
  • 2 Min. Lesezeit
Mit ADHS wird warten fast unerträglich
Mit ADHS wird warten fast unerträglich

Kennt ihr das auch?


Die fast körperlichen Schmerzen, wenn man sich irgendwo anstellen muss – und die Schlange einfach nicht vorangeht? Wie schnell einem die Lust vergeht auf das, weswegen man überhaupt da ist – sei es im Vergnügungspark, bei der Bäckerei oder im Bürgerbüro? Oder wenn jemand vor uns im Schneckentempo läuft? Oder wir nehmen uns etwas vor – etwas Neues lernen, mehr Sport machen – und wollen am liebsten sofort Ergebnisse sehen. Und wenn sie ausbleiben, verlieren wir die Lust.


Es ist nicht, dass wir ADHSler keine Geduld haben – aber sie fällt uns schlicht viel schwerer.

Eine aktuelle Studie aus Taiwan (Hsu et al., 2025) hat genau das untersucht. Die Forschenden wollten verstehen, warum Kinder mit ADHS so schnell gelangweilt sind und warum Warten für sie besonders anstrengend ist. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Je höher die Anfälligkeit für Langeweile, desto stärker auch die Abneigung, auf Belohnungen oder Ergebnisse warten zu müssen – in der Fachsprache nennt man das „Delay Aversion“.


Kinder mit ADHS reagierten empfindlicher auf Wartezeiten als Gleichaltrige ohne ADHS. Warten fühlte sich für sie nicht einfach unangenehm, sondern geradezu quälend an. Das erklärt, warum Aufgaben, die erst später eine Belohnung bringen – wie Lernen, Training oder langfristige Projekte – oft so schwer durchzuhalten sind. Das Gehirn sehnt sich nach schneller Stimulation, und wenn die ausbleibt, schaltet es innerlich ab.


Besonders spannend: Die Forschenden fanden heraus, dass diese „Delay Aversion“ eine

Art Brücke bildet – sie erklärt, wie Langeweile zu Unaufmerksamkeit führt. Mit anderen Worten: Nicht mangelnde Disziplin ist das Problem, sondern eine biologische Empfindlichkeit gegenüber dem Gefühl des Wartens.


Mit über 180 Teilnehmenden und sorgfältig aufgebautem Studiendesign liefert diese Untersuchung wertvolle Einblicke in einen

Mechanismus, den viele von uns täglich spüren: Geduld ist kein Charakterzug, sondern eine echte neurologische Herausforderung –…und nein, das hat nichts mit Faulheit, Willensschwäche oder fehlender Motivation zu tun. Es ist einfach unser Gehirn, das auf „schnell bitte!“ programmiert ist.


Und was heißt das für uns?

Wenn Warten sich wie Folter anfühlt, hilft es wenig, sich einfach „mehr zusammenzureißen“. Was wir brauchen, sind Strategien, um mit dieser inneren Ungeduld umzugehen. Das kann heißen: Aufgaben in kleine, überschaubare Schritte zu zerlegen, sich kleine Zwischenbelohnungen einzubauen oder ganz bewusst Aktivitäten zu wählen, die uns wirklich interessieren und dadurch das Dopaminsystem auf natürliche Weise aktivieren.

Manchmal hilft es auch, Wartezeiten aktiv zu gestalten – statt sie passiv auszuhalten. Eine Playlist, ein kurzer Spaziergang, ein Notizbuch für Ideen oder Gedanken – Hauptsache, das Gehirn bekommt etwas zu tun.


Und genau hier setzt ADHS-Coaching an: Gemeinsam schauen wir, wie du mit deiner ganz eigenen „Delay Aversion“ umgehen kannst. Welche Situationen dich besonders stressen. Welche Strategien dir wirklich helfen, dranzubleiben – auch dann, wenn’s mal langweilig oder zäh wird.



Denn Geduld kann man nicht erzwingen. Aber man kann lernen, mit ihr zu tanzen – in kleinen, machbaren Schritten.


 
 
 

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