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She is a super-girl

  • Autorenbild: Meike Parker
    Meike Parker
  • 1. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Es ist Montagmorgen, mein Mann und ich haben uns beide ziemlich aus dem Bett gequält. Irgendwie waren wir noch nicht wirklich fertig mit dem Wochenende. Aber „Watt mutt, dat mutt“, wie wir in Norddeutschland immer sagen.


Zugegeben, diese Haltung ist nicht immer ganz gesund, aber an Tagen wie heute hilft sie, nicht zu viel zu hinterfragen, sondern einfach aufzustehen. Aber dementsprechend ruhig und nicht sehr motiviert, ein ständiges Gähnen unterdrückend, sind wir auf dem Weg zur Stadtbahnhaltestelle. Er auf dem Weg zur Arbeit, ich auf dem Weg ins Fitnessstudio.


Da kommt uns ein Mann entgegen und schmettert ziemlich laut und erstaunlich richtig das Lied „Supergirl“ vor sich hin. Ich stimme ein, zumindest für einen Teil des Refrains, und muss schmunzeln. Das Lied habe ich geliebt. Ich wollte dieses „Supergirl“ sein – admired, geliebt. Die Ambivalenz dieses Lieds ist mir erst später bewusst geworden. Der Confirmation Bias ist schon toll, oder? Wir verstehen bzw. merken uns meist nur das, was in unser bestehendes Weltbild passt.


Und zunächst war es eben genau das – ich wollte jemandes Supergirl sein. Bis ich es dann war und mir der zweite Teil bewusster wurde – die Überforderung, die es mit sich bringt, ein „Supergirl“ sein zu müssen. Ganz gleich, warum das ist, ob der Partner einen nun auf das Podest gestellt hat oder weil man das Gefühl hat, nur so dieser Beziehung wert zu sein – das ist anstrengend.


Das ist, glaube ich, auch der Grund, warum ich den Begriff „Superpower“ im Zusammenhang mit ADHS nicht mag: Er weckt oftmals falsche Erwartungen – für uns selbst, aber auch bei anderen. Und: Er wird unserem Alltagserleben nicht gerecht. Die vielen kleinen „F***k, schon wieder xy vergessen“, die Momente, in denen wir unsere Emotionen nicht so schnell unter Kontrolle bekommen konnten, wie wir etwas gesagt haben, das uns jetzt leidtut. Ja, wir haben unsere Stärken. Aber der ganz normale Alltag kostet uns häufig viel mehr Kraft, als er sollte.


Vielleicht denkt ihr gerade: „Hey, moment mal – wenn Du den Begriff ‚Superpower‘ nicht magst, warum nennst Du Dich dann Heldenmacher?“


Schön, dass Du fragst: Ich habe vor einiger Zeit in einem Podcast jemanden sagen hören: „ADHD is not a superpower – but everyone with ADHD who achieves something is a hero.“ Grob übersetzt: „ADHS ist keine Superpower, aber wer immer mit ADHS etwas erreicht, ist ein Held.“ Es gibt so viele Bereiche, die uns einfach mehr Energie kosten, die uns in dieser Gesellschaft, die nicht für uns gebaut ist, so viel schwerer fallen. Da ist man manchmal schon ein Held, wenn man es schafft, morgens aufzustehen.


Die Montagmorgende haben seit meiner Selbstständigkeit ein bisschen ihren „Schrecken“ verloren, auch wenn ich nicht immer frisch und voller Energie aus dem Bett springe, wie an jenem Montagmorgen. Da genieße ich dann mein ADHS, das es mir ermöglicht, mich von der Energie des singenden Mannes anstecken zu lassen.

Wenn Du wissen willst, wie auch Du Deine ADHS besser, authentischer managen kannst, ohne Dich verbiegen zu müssen – dann buch doch ein Erstgespräch mit mir.




 
 
 

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