ADHS und Beziehungen: Aus den Augen, aus dem Sinn?
- Meike Parker
- 15. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Vor kurzem haben mein Mann und ich unseren 8. Hochzeitstag gefeiert. Für mich ein echter Meilenstein – immerhin ist das etwa doppelt so lang wie meine längste Beziehung davor überhaupt gedauert hat.
Aber eigentlich geht es hier nicht um meine Ehe, sondern um etwas Grundsätzlicheres: wie schwer es mit ADHS sein kann, konsistente Beziehungen aufzubauen und zu halten.
Nähe, Freundschaften und dieses „Selbst-Dating“
Mein Verhältnis zu Nähe war lange Zeit widersprüchlich: ich sehnte sie mir herbei und hatte gleichzeitig Angst davor. Ich war impulsiv, bin manchmal zu schnell in Beziehungen hineingerutscht, weil es schön war, begehrt zu werden – auch wenn ich innerlich wusste: das passt eigentlich nicht.
Ähnlich bei Freundschaften: Sie entstanden schnell und intensiv – und sind dann genauso schnell wieder eingeschlafen. Nie im Streit, sondern weil ich umgezogen bin oder das Leben dazwischenkam. Dieses Muster ist mir immer wieder aufgefallen. Aber damals wusste ich nicht, dass ADHS dahintersteckt – und damit auch nicht, wie ich es verändern könnte. Für mich war es einfach ein „so bin ich eben“.
Und trotzdem: ein fester Kreis ist geblieben. Menschen, die es nicht stört, wenn sie monatelang nichts von mir hören, und bei denen wir trotzdem sofort wieder da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Für mich sind sie mein „Tribe“ – die Menschen, bei denen ich nicht funktionieren oder mich verstellen muss, sondern einfach ich selbst sein darf. Das ist Gold wert.
Der Wendepunkt kam, als ich jemanden datete, der mir verblüffend ähnlich war: Kommunikationsschwierigkeiten, Commitment-Issues, Baustellen überall. Im Grunde habe ich mich selbst gedatet. Schmerzhaft – und gleichzeitig heilsam. Danach wusste ich: jetzt sind erstmal meine eigenen Baustellen dran.
Stabilität und Kommunikation als Schlüssel
Ich habe aufgehört, aktiv nach Beziehungen zu suchen, und stattdessen Stabilität geschaffen: ein Job, der mich trug, ein Stück innere Ruhe, ein besseres Verständnis für mich selbst.
Und genau dann kam diese eine Nachricht auf einer halb-vergessenen Datingseite. Nichts Aufgesetztes, nichts Klischeehaftes – einfach persönlich. Mit der Zeit entstand daraus das erste Mal das Gefühl, auch meine weniger glänzenden Seiten zeigen zu dürfen, ohne verurteilt zu werden.

War es immer leicht? Natürlich nicht. Aber wir sind von Anfang an lösungsorientiert geblieben. Nicht Schuld und Drama, sondern Reden, Zuhören, Wege finden. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum wir heute auf acht gemeinsame Jahre zurückblicken können – und gespannt sind, was noch kommt.
Wie sieht das bei Dir aus? Hast du deinen Tribe schon gefunden – die Menschen, bei denen du du selbst sein darfst? Oder ertappst du dich manchmal dabei, "Ja" zu sagen, obwohl du eigentlich "Nein" meinst – nur aus Angst, nicht dazuzugehören? Schreib mir gerne in die Kommentare, wie du mit Zugehörigkeit und Grenzen umgehen lernst.




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