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Wie erklärt man ein Leben, das für andere unsichtbar ist?

  • Autorenbild: Meike Parker
    Meike Parker
  • 30. März
  • 3 Min. Lesezeit

So könnte einer der Spieler-Charactere aussehen. Jeder Spieler stellt eine andere Neurodivergenz dar.
So könnte einer der Spieler-Charactere aussehen. Jeder Spieler stellt eine andere Neurodivergenz dar.

Wie erklärt man anderen, wie es sich anfühlt, man selbst zu sein?


Wie erklärt man, dass ein „Mach doch einfach“ manchmal ungefähr so hilfreich ist wie „Flieg doch einfach“, wenn man keine Flügel hat?


Wie erklärt man, dass eine schlechte Nacht für manche Menschen bedeutet: ein bisschen müde, heute drei Kaffee. Und für andere bedeutet das: Reizüberflutung, null Konzentration, emotional dünnhäutig, und der ganz normale Alltag wird plötzlich zu einem Hindernisparcours?


Genau mit diesen Fragen hat dieses Spiel angefangen.

Nicht mit der Idee, ein Spiel zu entwickeln. Sondern mit dem Wunsch, etwas fühlbar zu machen, das man so schwer erklären kann.

Denn das große Missverständnis ist ja oft nicht der fehlende gute Wille. Das große Missverständnis ist: Von außen sieht alles gleich aus.

Wir stehen alle morgens auf. Wir ziehen uns an. Wir gehen zur Arbeit. Wir gehen einkaufen. Wir treffen Menschen. Wir kommen abends nach Hause.


Gleicher Tag, gleiche Anforderungen – völlig unterschiedliche Voraussetzungen.

Für viele Menschen sind Dinge wie Zähneputzen, Anziehen, Frühstück machen, das Haus

Selfcare: Oft müssen wir Energie aufbringen, um neue zu bekommen. Aber was ist, wenn wir diese erste Energie nicht mehr haben?
Selfcare: Oft müssen wir Energie aufbringen, um neue zu bekommen. Aber was ist, wenn wir diese erste Energie nicht mehr haben?

verlassen "automatisierte" Routinen. Für viele Neurodivergente sind es keine Routinen. Es sind Entscheidungen. Jeden Tag neu.

Was ziehe ich an? Fühlt sich der Stoff gut an? Ist es zu warm, zu kalt, zu kratzig, zu eng?Warum fühlt sich heute alles falsch an? Warum stehe ich vor dem Kleiderschrank und plötzlich passt nichts mehr – obwohl objektiv alles noch passt?


Das sind keine großen Dramen. Das ist Alltag.


Genauso wie das Großraumbüro. Menschen unterhalten sich. Jemand kommt aus dem Urlaub zurück. Irgendwo wird laut telefoniert. Zwei Reihen weiter wird auf Schwäbisch über den letzten Kundentermin diskutiert.

Für viele ist das Hintergrundrauschen. Für andere ist es, als würde jemand die ganze Zeit leicht gegen die eigene Konzentration drücken. Nicht fest, nicht dramatisch – aber konstant. Den ganzen Tag.


Und genau dieses „nicht dramatisch, aber konstant“ kostet Energie. Sehr viel Energie.

Die Idee zu dem Spiel war deshalb: Was wäre, wenn man diesen Energieverbrauch sichtbar und spürbar machen könnte?

Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Nicht als „wir gegen die anderen“. Nicht als Problem-Spiel.

Sondern als Alltagsspiel.


Ein Spiel über Aufstehen, Anziehen, Arbeiten, Einkaufen, soziale Situationen, Erschöpfung, Entscheidungen, Routinen, Gefühle, Reizüberflutung – und über die Frage:

Wie teile ich mir meine Energie so ein, dass am Ende des Tages noch Leben übrig ist – und nicht nur Funktionieren?


Deshalb besteht das Spiel aus drei Runden:

  • Morgenroutine

  • Arbeitstag

  • Abendroutine

Das gemeinsame Ziel: Abends noch genug Energie zu haben, um zusammen auf eine Party zu gehen.


Die Party ist dabei nur ein Symbol. Für Lebensfreude. Für Freunde treffen. Für Lachen. Für das, was das Leben eigentlich ausmacht.

Der Haken: Wenn auch nur eine Person am Ende des Tages keine Energie mehr hat, haben alle zusammen das Spiel verloren. Weil es im echten Leben auch so ist. Wenn einer dauerhaft über seine Grenzen geht, hat am Ende niemand etwas gewonnen.


Gleichzeitig müssen aber bestimmte Dinge geschafft werden:

  • Man kann nicht einfach im Schlafanzug zur Arbeit gehen.

  • Auf der Arbeit müssen Aufgaben erledigt werden.

  • Es gibt individuelle Ziele und Gruppenziele.

  • Es gibt soziale Situationen, die Energie kosten können, aber trotzdem wichtig sind.


Und plötzlich steht man vor genau den Fragen, vor denen viele Neurodivergente jeden Tag stehen:

  • Mache ich jetzt Smalltalk mit, obwohl mich das Energie kostet, weil es sozial wichtig ist?

  • Erledige ich erst die wichtige Aufgabe oder erst die, für die ich gerade genug Fokus habe?

  • Gehe ich einkaufen, obwohl mich der Supermarkt komplett überfordert, oder esse ich halt wieder nur Toast?

  • Wie viel Energie darf ich jetzt verbrauchen, damit nachher noch etwas übrig ist?


Dieses Spiel ist für neurodivergente Menschen, die in einer neurotypischen Welt leben, arbeiten und oft auch in sehr neurotypischen Familien unterwegs sind. Und für all die Menschen in ihrem Umfeld, die sie lieben, mit ihnen arbeiten, mit ihnen leben – und sie besser verstehen wollen.

Nicht im Kopf. Sondern im Gefühl.


Der Prototyp ist inzwischen fast fertig. Und jetzt kommt der wichtigste Teil:

Ich suche Testspieler.

Menschen, die Lust haben, dieses Spiel auszuprobieren. Menschen, die Feedback geben. Menschen, die mit mir zusammen schauen wollen, ob dieses Spiel das tut, was es tun soll: Verständnis schaffen. Aha-Momente auslösen. Gespräche ermöglichen.


Wenn du aus Stuttgart kommst (oder Umgebung) und Lust hast, das Spiel mit mir zu testen, dann schreib mir einfach eine Nachricht: mparker@adhs-heldenmacher.de


Ich freue mich über jede Person, die mit testet, mitdenkt, mitlacht, mitflucht – und dieses Spiel ein Stück mit weiterentwickelt.

Denn am Ende geht es genau darum: Die Welt nicht in „die“ und „wir“ zu teilen.

Sondern sie ein kleines bisschen verständlicher füreinander zu machen.



 
 
 

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