ADHS: Wenn der Plan nicht zum Gehirn passt
- Meike Parker
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Mit diesem Blog habe ich mich schwerer getan, als es auf den ersten Blick wirkt.
Nach all den schweren Themen der vergangenen Wochen wollte ich etwas Leichtes schreiben. Etwas Anschauliches, bei dem viele Menschen mit ADHS schmunzeln und sich wiedererkennen können. Es sollte um Freundschaften gehen und darum, dass das, was von außen nach Unzuverlässigkeit oder Gedankenlosigkeit aussieht, innen eine ganz andere Geschichte erzählen kann.
Die passende Anekdote dazu lieferte mir heute Morgen eine Freundin. Ich wachte auf und hatte eine Nachricht von ihr: Ob ich mit zu einem Stadtteilfest möchte.
Meine erste Reaktion war: Echt? Ein Stadtteilfest?
Anstatt mich erst einmal darüber zu freuen, dass sie an mich gedacht hat und immer noch mit solchen Vorschlägen zu mir kommt, sah ich sofort 30°, viele Menschen, viel Lärm und eine überfüllte U-Bahn vor mir. Und damit war ich eigentlich schon mitten in dem Text, den ich schreiben wollte.
Die Kernaussage war im Grunde klar: Hey, Du siehst mein Verhalten, aber das ist nicht die ganze Story. Du siehst, dass ich zögere, absage oder früher gehe. Du siehst allerdings nicht, was vorher in meinem Kopf passiert ist. Ich versuche deshalb, klarer zu kommunizieren, was bei mir los ist. Und ich wünsche mir, dass Du ein bisschen hinter mein Verhalten schaust und erkennst, dass meine Absage nichts mit Dir zu tun hat. Ich verstehe, wenn Du enttäuscht bist. Meine Absicht war trotzdem nie, Dir wehzutun.
Eigentlich kein besonders komplizierter Gedanke. Dazu eine nette Anekdote, ein bisschen ADHS, ein bisschen Augenzwinkern und fertig ist der leichte Blog.
Dachte ich.
Ich habe dann ungefähr 15-mal angefangen und den Text gefühlt 3.000-mal umgebaut.

Ich habe Absätze verschoben, Aussagen ergänzt, wieder gestrichen und versucht, einen roten Faden hineinzubringen. Zwischendurch habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich so schwierig daran, einen lockeren, leichten Text zu schreiben?
Ich wollte das mit Euch teilen, weil man am fertigen Text nicht sieht, wie schwer ich mich damit getan habe. Jede Woche einen Blog zu schreiben, macht mir Spaß. Es ist für mich eine gute Möglichkeit, Themen anzusprechen, meine eigenen Gedanken zu ordnen und Euch, ohne dass Ihr dafür zu mir ins Coaching kommen müsst, kleine Tipps und ein bisschen Food for Thought mitzugeben. Das ist der Grund, warum ich diesen Blog schreibe.
Aber auch Dinge, die mir Spaß machen, fallen mir manchmal wirklich schwer. Und dieser vermeintlich leichte Text über Freundschaft ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel.
Ich habe das schon einmal in einem anderen Blog erwähnt: Manchmal beginne ich mit einer bestimmten Idee und lande beim Schreiben bei einer ganz anderen Aussage.
Dieser Text ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Ich wollte über Freundschaften schreiben und bin stattdessen bei der Frage gelandet, warum ich so sehr mit etwas kämpfe, das ich gerne tue und von dem ich eigentlich weiß, dass ich es kann.
Ja, auch mir fallen Dinge schwer. Manchmal sogar die Dinge, die mir Spaß machen. Manchmal brauche ich 15 Anläufe. Manchmal baue ich einen Text 3.000-mal um und bin immer noch unzufrieden. Manchmal muss ich mich durch einen Gedanken hindurchhadern, bis ich überhaupt verstehe, was ich sagen möchte.
Das ist okay. Dinge dürfen schwerfallen. Dinge dürfen mir schwerfallen. Ich muss nicht perfekt sein und Ihr müsst es auch nicht.
Das bedeutet auch nicht, dass ich nichts zu sagen habe. Es bedeutet nicht, dass sich die Mühe nicht lohnt. Denn irgendwann, zwischen all den Anfängen, Umbauten und Zweifeln, kristallisiert sich der Gedanke heraus, um den es eigentlich geht.
Wäre es schöner, wenn mir alles leichtfiele? Wenn ich sagen könnte: Hey, das habe ich mir vorgenommen, und jetzt mache ich das einfach?
Ja, natürlich wäre das schöner. Aber so funktioniert mein Gehirn nicht. Auch mit ADHS-Medikamenten nicht. (Leider)
Und wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass ich mit meinem Gehirn arbeiten muss und nicht gegen mein Gehirn. In diesem Fall heißt das: Ich kann weiter versuchen, den Freundschaftsblog in die Form zu zwingen, die ich ursprünglich im Kopf hatte. Oder ich kann akzeptieren, dass mein Gehirn beim Schreiben längst woanders angekommen ist.

Also bekommt Ihr heute keinen leichten Blog über Freundschaft. Ihr bekommt einen Blog darüber, dass auch schöne, freiwillige und vertraute Dinge schwerfallen dürfen. Dass ein Umweg nicht automatisch bedeutet, dass ich mich verlaufen habe. Und dass manchmal ein anderer Text entsteht als der, den ich geplant hatte.
Der Freundschaftsgedanke ist damit übrigens nicht weg. Es lohnt sich weiterhin, den Menschen in unserem Leben besser zu erklären, was in uns passiert. Schließlich sehen sie nur unser Verhalten, aber nicht die Gedanken, Zweifel und Kämpfe, die ihm vorausgegangen sind.
Das gilt offenbar auch für diesen Blog. Ihr seht am Ende den fertigen Text. Die 15 Anfänge und 3.000 Umbauten bleiben unsichtbar.
Bis ich Euch davon erzähle.




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