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ADHS: Warum Energie nur der Anfang ist

  • Autorenbild: Meike Parker
    Meike Parker
  • vor 21 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Das Verarbeiten bzw Ausblenden vieler Umweltreize ist bei ADHS sehr anstrengend
Eine typische Situation, die ich als sehr ermüdend empfinde: Pendeln in einer vollen U-Bahn

Manchmal ergibt sich ein Blog aus dem anderen. Manchmal muss ich ein bisschen nach einem Thema suchen. Und manchmal merke ich erst beim Zurückschauen, dass ich eigentlich schon seit Wochen über dieselbe Sache schreibe.

Genau das ist mir diese Woche passiert.


Ich habe durch meine letzten Blogs geblättert. Da war der Beitrag über mein vergessenes Handy. Der über das Fitnessstudio. Der über Barrierefreiheit. Der über das Kartenspiel, das ich entwickelt habe. Und zuletzt der Blog über die Arbeitswelt und die Frage, was eigentlich wirklich benutzerfreundlich ist. Auf den ersten Blick haben diese Themen gar nicht so viel miteinander zu tun. Und trotzdem taucht immer wieder dasselbe Wort auf:


Energie.


Wie schaffen wir es, unseren Alltag so zu gestalten, dass am Ende des Tages noch genug Kraft für die schönen Dinge übrig bleibt? Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Welche Strategien helfen uns dabei? Wie können wir Aufgaben, die uns besonders viel Energie kosten, leichter machen? Wie gehen wir mit all den Reizen um, die täglich auf uns einströmen? Menschen. Verkehr. Licht. Lärm. Und im Moment vor allem Hitze.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber meine Wohlfühltemperatur endet irgendwo bei 25 Grad.


Energie ist also ohne Frage ein großes Thema. Und wenn man sich auf Instagram oder anderen Plattformen umschaut, scheint sich gerade alles darum zu drehen, Energie zu sparen, Energie aufzubauen oder die berühmten "Löffel" möglichst sinnvoll einzuteilen.

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte ich allerdings das Gefühl:

Energie ist nur die halbe Wahrheit.

Denn irgendwann stellt sich eine ganz andere Frage:

Woher merke ich eigentlich, dass eine Strategie nicht mehr funktioniert?


Das passiert schließlich ständig. Man kann aus derselben Aufgabe nur eine begrenzte Zeit ein Spiel machen. Irgendwann motiviert mich das Wettrennen gegen die Uhr beim Abwasch nicht mehr. Irgendwann kostet es mehr Energie, mir dieses Spiel überhaupt noch schmackhaft zu machen, als einfach den Abwasch zu erledigen.


Oder woher nehme ich den Mut, meiner Führungskraft zu sagen: "Diese Aufgabe kostet mich unglaublich viel Energie. Könnten wir schauen, ob jemand anderes sie übernimmt? Ich bin dafür an einer anderen Stelle besonders stark."


Woher weiß ich überhaupt, was mir Energie gibt und was sie nimmt?

Wie höre ich auf, mich ständig mit anderen zu vergleichen? Ich kenne das noch gut aus meinem Berufsalltag. Am Ende eines Arbeitstages hatte ich vielleicht eine richtig gute Präsentationsfolie fertig. Während andere erzählten, was sie alles geschafft hatten, dachte ich sofort: "Ich bin hier im falschen Film. Ich bin einfach nicht so leistungsfähig."

Heute weiß ich, dass ich damals die falschen Maßstäbe angelegt habe.


Und dann gibt es noch die großen Entscheidungen. Bleibe ich in einem Job, weil Veränderungen mich überfordern? Weil Bewerbungen unglaublich anstrengend sind? Weil Vorstellungsgespräche mich stressen? Oder weil ich wirklich gerne dort arbeite?

Das sind keine Energiethemen mehr.

Das sind Fragen von Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen.

Energie entscheidet darüber, wie mein heutiger Tag verläuft. Selbstwahrnehmung entscheidet darüber, ob ich auch morgen noch auf einem Weg unterwegs bin, der wirklich zu mir passt.

Genau deshalb hat mich das Fitnessstudio so beschäftigt.

Nicht, weil mir die Energie fehlt, dort hinzugehen. Sondern weil mich die Umgebung inzwischen mehr Kraft kostet, als mir das Training zurückgibt. Und genau deshalb beginnt für viele Menschen mit ADHS die eigentliche Veränderung auch nicht mit einem neuen Zeitmanagement-System.


Sie beginnt in dem Moment, in dem sie ihre eigene Wahrnehmung ernst nehmen.

Wenn sie aufhören, sich einzureden, sie würden sich nur anstellen. Denn diesen Satz hören viele von uns oft genug von außen. ADHS sieht man nicht. Niemand erkennt auf den ersten Blick, welche Reize gerade gleichzeitig verarbeitet werden müssen oder wie viel Energie bestimmte Situationen kosten. Gerade deshalb ist es so leicht, die eigenen Bedürfnisse kleinzureden.


Der entscheidende Schritt ist deshalb nicht nur, den Alltag besser zu organisieren. Der

Es erfordert Mut und eine gute Selbstwahrnehmung um die Änderungen einzufordern, die wir mit ADHS brauchen, um Produktiv zu arbeiten
Für sich selbst einstehen und Veränderungen einfordern ist nicht nicht unsere leichteste Übung.

entscheidende Schritt ist, sich selbst zu glauben. Zu sagen: "Nein. Ich stelle mich nicht an. Das ist meine Wahrnehmung. Das sind meine Bedürfnisse. Und wenn ich sie ernst nehme, kann ich mein Leben so gestalten, dass ich langfristig gesund und leistungsfähig bleibe."


Genau deshalb arbeite ich im ADHS-Coaching nicht nur an einem konkreten Ziel.

Natürlich entwickeln wir Strategien. Wir überlegen gemeinsam, wie Dein Alltag leichter werden kann und was Dir hilft, mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen. Gleichzeitig geht es aber um etwas, das weit darüber hinausgeht: Du lernst, Dich selbst besser zu verstehen. Zu erkennen, was Dir Energie gibt und was sie kostet. Wann eine Strategie noch funktioniert und wann es Zeit ist, sie loszulassen. Welche Bedürfnisse Du hast und wie Du sie ernst nehmen kannst.


Anders als in einer Therapie begleiten wir diesen Prozess meist nur über wenige Stunden. Umso wichtiger ist mir, dass am Ende nicht nur ein aktuelles Problem gelöst ist. Mein Ziel ist, dass Du etwas mitnimmst, das Dich auch bei den nächsten Veränderungen in Deinem Leben begleitet: das Vertrauen in Deine eigene Wahrnehmung und die Fähigkeit, immer wieder gute Entscheidungen für Dich zu treffen.


Denn Energie entscheidet vielleicht darüber, wie Dein heutiger Tag verläuft.

Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen helfen Dir dabei, auch morgen noch den Weg zu gehen, der wirklich zu Dir passt.

 
 
 
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